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Vor langer Zeit lebte im Land der Erhabenen ein Prinz Namens "Ich will". Er war der Sohn des Königs "Ich-bin-der-Größte" aus dem Geschlecht der Mächtigen. Wie alle Ahnen aus dem Geschlecht der Mächtigen strebte Prinz "Ich will" danach, die Macht des Landes an sich zu reißen. Doch sein Vater wußte dies zu verhindern.
Als Prinz
"Ich will" merkte, daß ihm der schnelle Erfolg im eigenen Land versagt war,
wurde er ungeduldig und er beschloß, sein Glück jenseits der Reichsgrenzen zu
suchen.
Am Hofe der Mächtigen lebte auch
ein großer Krieger Namens "Gib mir", der fast alles bekam, was er wollte, denn
er galt als unbesiegbar. Ebenso gab es einen Seher Namens
"Ich-weiß-alles-über-dich". Und diese beiden - Krieger und Seher - begleiteten
Prinz "Ich will" auf seine Reise, denn sie waren Gefährten von klein
auf.
Jenseits der westlichen
Reichsgrenzen lag das Land der Heilkundigen. Es wurde regiert von König
"Frieden" und Königin "Harmonie". Auf dieses Land hatte es Prinz "Ich will"
abgesehen, galt es doch als reich und mit allen Gaben und Schätzen gesegnet.
König "Frieden" und Königin "Harmonie" hatten auch eine Tochter. Sie hieß
"Vollkommen" und war sehr schön. Diese begehrte Prinz "Ich will" mehr als alles
andere. Und so stürmte er kurzerhand die Burg König "Friedens", riß die Macht
des Landes an sich, tötete König "Frieden" und nahm Prinzessin "Vollkommen" und
ihre Mutter, Königin "Harmonie", gefangen. Als Königin "Harmonie" jedoch vom Tod
ihres Gatten hörte, wurde sie sehr zornig und sprach eine Fluch über Prinz "Ich
will" aus.
Dieser Fluch bewirkte, daß Prinz
"Ich will" von Blindheit und Taubheit geschlagen wurde, immer wenn er sich
Prinzessin "Vollkommen" näherte. Dies brachte ihn so in Rage, daß er Mutter und
Tochter in ein Land im Südwesten verbannte, welches das Land der Selbstgerechten
geheißen wurde. Dort sollten sie ihre gerechte Strafe verbüßen. Das Land der
Selbstgerechten wurde beherscht von einem Zauberer aus dem Geschlecht der
"Kleinlichen". In dessen Burg wurden Prinzessin "Vollkommen" und Königin
"Harmonie" eingekerkert.
Prinz "Ich will" indes machte sich
nun selbst zum König des Landes der Heilkundigen und verwandelte es in kürzester
Zeit in das Land der "Hexer, Rücksichtslosen, Machtbesessenen und Spitzel". Die
Jahre vergingen und König "Ich will" lebte wie die Made im Speck von den
Schätzen des Landes der Heilkundigen und seiner Bewohner.
Prinzessin "Vollkommen" hatte er
fast vergessen, denn der Zauberer aus dem Geschlecht der Kleinlichen hatte seine
Sinne vernebelt. Eines Tages jedoch war es an der Zeit für ihn, eine Frau zu
suchen. Und so fragte er den großen Krieger "Gib mir" um Rat.
"Nimm meine Tochter, Herr !",
entgegnete "Gib mir", "Sie ist die schönste meines Reiches und von feurigem
Temperament !".
"So soll es sein !", sprach König
"Ich will".
(c) Mario Ledermann
1998 |